
Mias erste A-RLT – oder: Wie man 29 Spiele coacht und trotzdem noch lacht
20. April 2026Mit etwas Abstand lohnt sich der Blick zurück auf die Deutschen Meisterschaften U15–U19 im Dezember 2025 ganz besonders. Nicht nur wegen der sportlichen Ergebnisse, sondern auch, weil dieses Turnier für uns einen wichtigen Übergang markierte: Der Abschied einer erfolgreichen Generation und gleichzeitig der Beginn eines neuen Kapitels mit einem sehr jungen und motivierten Team.
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung war, dass wir mit Jannes Ernst, Milan Zeisig und Laira Röhl drei außergewöhnliche SpielerInnen auf ihrem Weg an die Bundesstützpunkte in Mülheim und Hamburg begleiteten. Parallel dazu entsteht durch den anstehenden Wechsel an die Eliteschule des Sports im Olympiapark Raum für die nächste Generation. Doch dazu. an anderer Stelle mehr.
Zunächst zu den nackten Zahlen der Deutschen Meisterschaften:
Zehn Medaillen für unseren Verband.
3× Gold, 2× Silber und 5× Bronze.
Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Rechnet man die Mitgliederzahlen auf die Medaillen um, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild: Im Schnitt stand etwa eine Medaille pro rund 700 Mitglieder zu Buche – mit den teilweise noch veralteten Zahlen auf der DBV-Homepage sogar deutlich weniger. Im Vergleich zu großen Landesverbänden wie NRW, Bayern oder Hessen zeigt das sehr deutlich, wie effizient bei uns gearbeitet wird. Aber Zahlen allein erzählen nie die ganze Geschichte.
Während Tobias Görisch als Vizepräsident Leistungssport parallel bei der Jugendvollversammlung des DBV eingebunden war und organisatorische Themen koordinierte, unterstützte Timo Ayush die Betreuung in der Halle tatkräftig. In dieser Zusammenarbeit konnten wir die SpielerInnen über alle Turniertage hinweg konstant begleiten. Die Meisterschaft selbst versprach ohnehin Spannung – nicht nur wegen kleiner organisatorischer Kuriositäten, sondern vor allem wegen der besonderen persönlichen Geschichten hinter vielen Starts.
Für einige bedeutete diese Deutsche Meisterschaft nämlich einen Abschied. Für andere war es ein Aufbruch.
So standen mit Eva Stommel und Meline Zeisig zwei Spielerinnen im Fokus, deren Wege unterschiedlicher kaum sein könnten. Eva war knapp 9 Jahre an der Sportschule, mit unzähligen Nominierungen zu internationalen Maßnahmen und einer konstanten internationalen Präsenz. Durch die kontinuierlich gute gemeinsame Entwicklung der letzten Jahre gab es ein außergewöhnlichen Abschluss ihrer Jugendkarriere – mit der U19-Weltmeisterschaft in Indien. Sehr erfreulich, dass Eva nun weiter lernen möchte und das als Co-Trainerin bei uns.
Meline ging einen anderen Weg. Erst zum Halbjahr der 9.Klasse kam sie an die Eliteschule des Sports – zu einem Zeitpunkt, der oftmals als „zu spät“ eingeordnet wird. Doch ihr Weg war geprägt von Beharrlichkeit und Kampfgeist. Dreimalige Deutsche Meisterin im Einzel von U15 bis U17 – eine Leistung, die in den vergangenen zwanzig Jahren nur genau einer anderen Spielerin überhaupt gelungen ist. Schön zu sehen, dass auch Meline heute ihre Erfahrungen an unsere jüngeren Athletinnen weitergibt.
Sportlich begann das Turnier traditionell mit den Mixed-Wettbewerben. Große Hoffnungen ruhten auf Eva und Felix, die in den Monaten zuvor in sehr guter Form waren und nur knapp eine Nominierung zur U19-Weltmeisterschaft verpasst hatten. Nach zwei souveränen Siegen war im Halbfinale allerdings Endstation. Die Enttäuschung war spürbar, aber die Analyse ehrlich: An diesem Tag waren die Gegner stabiler und nutzten ihre Chancen besser. Bronze blieb als verdientes Ergebnis.
Auch Lea und ihr Partner Budhsa trafen früh auf starke Konkurrenz und mussten sich geschlagen geben, zeigten jedoch über weite Strecken ein gutes Niveau. Als jüngerer Jahrgang bleibt ihnen noch eine weitere Chance bei der kommenden Meisterschaft.
In der Altersklasse U17 überzeugten sowohl Jannes und Ailin als auch Matilda und Ian mit starken Leistungen. Beide Paarungen erreichten das Halbfinale und lieferten dort intensive und umkämpfte Spiele, die letztlich mit jeweils einer Bronzemedaille belohnt wurden.
Mit den Einzelwettbewerben rückten individuelle Leistungen stärker in den Fokus. Besonders in U15 zeigte Charlotte eine beeindruckende Dominanz. Spiel für Spiel setzte sie ihre Stärken konsequent um und ließ kaum Zweifel daran, wer an diesem Wochenende das Maß der Dinge war. Selbst das Finale, das mit 22 Minuten Spielzeit am längsten dauerte, blieb jederzeit unter Kontrolle. Gold.
Auch Milan setzte in U17 ein klares Zeichen. Mit hohem Tempo, klugen Entscheidungen im Aufbau und präzisen Angriffen dominierte er das Teilnehmerfeld bis ins Finale. Dort ließ er keinen Zweifel daran, wer aktuell zu den stärksten Einzelspielern seines Jahrgangs zählt und gewann 21:5 und 21:12. Eine äußerst souveräne Leistung und verdient Gold.
In U19 stellte sich Jannes als jüngerer Jahrgang der Herausforderung gegen ältere Konkurrenz. Mehrere Dreisatzspiele verlangten ihm körperlich und mental alles ab. Über drei Stunden Spielzeit in drei Matches – damit zeigte er eine beeindruckende Stabilität und sicherte sich am Ende Bronze – gute Entwicklung.
Für Meline bedeutete dieses Turnier ihre letzte Deutsche Jugendmeisterschaft im Einzel. Der Start verlief zunächst holprig, doch mit zunehmender Matchdauer wuchs die Sicherheit. Punkt für Punkt arbeitete sie sich ins Turnier hinein und erreichte schließlich das Finale. Silber zum Abschluss einer langen Jugendkarriere – ein würdiger Schlusspunkt.
Auch Felix zeigte in seinem Einzel eine klare Entwicklung innerhalb des Spiels. Nach anfänglicher Unsicherheit gelang es ihm zunehmend, das Spiel aktiver zu gestalten und eigene Lösungen zu finden. Auch wenn das Match verloren ging, war der Fortschritt deutlich sichtbar.
In den Doppelwettbewerben gab es ebenfalls mehrere bemerkenswerte Leistungen. Gregory und Trung trafen früh auf ein sehr starkes gegnerisches Duo und hielten in vielen Ballwechseln sehr gut mit. Besonders im Angriff zeigte sich ihr Potenzial deutlich. In der Aufschlagsituation wurde jedoch auch sichtbar, wo noch Entwicklungspotenzial liegt – eine wichtige Erkenntnis für die kommenden Trainingsphasen.
Charlotte und ihre Partnerin Lena konnten sich im Damendoppel bis aufs Podest spielen und sicherten sich Bronze. Ihr Spieltempo und die mutige Spielweise machten deutlich, dass sie auch in dieser Disziplin künftig eine wichtige Rolle spielen können.
An dieser Stelle auch ein großes Kompliment an Matilda und Pauline die sehr kurzfristig nachrücken konnten und direkt zur Stelle waren und ihre Chance bei der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen nutzten.
Für Eva ergab sich im Damendoppel schließlich noch einmal eine besondere Chance. Nach der Enttäuschung im Mixed lag spürbare Spannung in jedem Spiel. Das Finale entwickelte sich zu einem hochklassigen und äußerst engen Match. Immer wieder gelang es, sich nach kurzen Phasen des Drucks kleine Vorteile zu erspielen. Am Ende stand Gold – ein emotionaler Abschluss einer langen Jugendkarriere.
Den letzten Höhepunkt setzte Matilda im Damendoppel U17. Über mehrere Runden hinweg steigerten sie und ihre Partnerin ihr Spielniveau kontinuierlich und arbeiteten sich verdient bis ins Finale vor. In einem äußerst engen Endspiel fehlten am Ende nur wenige Punkte zum Titel (22:24/20:22). Silber bedeutete dennoch einen wichtigen Erfolg und unterstrich die starke Entwicklung der vergangenen Jahre.
Mit insgesamt zehn Medaillen war diese Deutsche Meisterschaft sportlich ein großer Erfolg. Noch wichtiger war jedoch, dass viele der zuvor gesetzten Entwicklungsschritte unter Wettkampfbedingungen sichtbar wurden.
Der Blick auf das Turnier zeigt vor allem eines: Einen klaren Übergang innerhalb des Verbandes. Eine erfolgreiche Generation übernimmt nach und nach Verantwortung in anderen Rollen, während junge SpielerInnen beginnen, sich im Leistungssport zu etablieren und diesen Raum zunehmend ausfüllen.
Viele Karrieren die wir über Jahre hinweg mit viel Zeit, Energie und Freude begleitet haben, fanden hier einen würdigen Abschluss und Übergang – und gleichzeitig beginnt für viele gerade der erste Schritt. Wir freuen uns auf den weiteren gemeinsamen Weg – mit unseren SpielerInnen an den Trainingsstandorten, mit engagierten TrainerInnen in gemeinsamen Maßnahmen & Camps und mit den Vereinen, die diesen Weg aktiv mitgestalten.
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Text: Jan-Henrik Gleis


