
Drittes Next Generation Camp verbindet Nachwuchsförderung und Trainer*innenentwicklung
4. September 2026Text: Linus Unmüssig und Jan-Henrik Gleis
Am Montag, den 17. August 2026 haben Schiedswesen und Leistungssport des BVBB am Landesstützpunkt Sybelstraße erstmals die Rush Hour Open ausgetragen. Der Anlass war ein doppelter: 10 Schiedsrichteranwärter*innen leiteten nach bestandener Theorieprüfung ihre ersten Matches – und 20 Spieler*innen aus zwei Trainingsgruppen bestritten zum Teil erstmals ein Spiel mit Schiedsrichter*in am Feld.
Gespielt wurde in zwei Blöcken: zuerst die Kinder und Jugendlichen, im Anschluss die Erwachsenen. Das Format war bewusst als internes Übungsturnier angelegt.
Konzipiert und organisiert wurde die Rush Hour Open von Linus Unmüssig, Vizepräsident Schiedswesen, sowie unserem leitenden Landestrainer Jan-Henrik Gleis.
Doppeltes Training
Eine Schiedsrichterausbildung besteht überwiegend aus Theorie. Der erste praktische Einsatz ist dann gleich die Prüfung, auf einem regionalen Turnier, vor fremdem Publikum und ohne Rückendeckung. Umgekehrt trainieren Spieler*innen im Vereins- und Stützpunktalltag fast ausschließlich ohne Unparteiische und treffen erst im Wettkampf auf eine Situation, die sie nie geübt haben: Ansagen abwarten, Timing zwischen den Ballwechseln und Ruhe bewahren, wenn der Punkt anders gewertet wird, als man ihn selbst gesehen hat.
Die Rush Hour Open schieben einen Schritt dazwischen und bringen beide Lernfelder in eine Halle. Die Anwärter*innen arbeiteten an ihrer Entscheidungspraxis mit direkter Reflexion durch die Ausbilder. Für die Spieler*innen war es Wettkampfrealität im geschützten Rahmen. Im normalen Trainingsbetrieb ist beides schwierig.
„Unsere Spieler*innen lernen, mit Entscheidungen umzugehen, die sie nicht kontrollieren können, und den Fokus auf das zu lenken, was sie in der Hand haben. Und die Anwärter*innen sollen ihre ersten Fehler dort machen, wo sie nichts kosten. Beides bekommen wir sonst erst im Wettkampf – und dort ist es für beide Seiten zu spät“, sagte Jan-Henrik Gleis.
Der Ernstfall war Teil der Aufgabe
Damit die Anwärter*innennicht nur zählen, sondern auch entscheiden mussten, waren die Spieler*innen ausdrücklich aufgefordert, ihnen echte Situationen abzuverlangen: Nachfragen, Verzögerungen, Diskussionen. Das hat funktioniert: Am Ende stand eine Gelbe Karte, über die auf beiden Seiten des Netzes gelacht wurde. Für den betroffenen Anwärter war es die erste eigenständige Verwarnung seiner Laufbahn und damit genau die Erfahrung, für die der Abend gedacht war.
Warum der BVBB dieses Format aufsetzt
Wettkampfbetrieb braucht ausgebildete und einsatzfähige Unparteiische. Ausbildung allein löst das nicht. Der kritische Punkt ist der Sprung von der Theorie in die erste eigene Entscheidung am Spielfeldrand. Genau dort setzt das Format an, mit vergleichsweise geringem Aufwand.
„Die Idee ist gemeinsam mit dem Team Leistungssport entstanden. Für uns war das die naheliegendste Kooperation seit Langem, auch wenn der Tag für alle Beteiligten lang war. Gleichzeitig können wir hier für das Schiedswesen werben und die Vielfalt unseres Sports zeigen“, sagte Linus Unmüssig.
Und sie zeigt, wie wir im Nachwuchs- und Leistungssport künftig arbeiten wollen: Zwei Ressorts, die sonst wenig miteinander zu tun haben, lösen ein gemeinsames Problem.
Wer bei uns dabei ist, soll auch schiedsen, coachen und Turniere organisieren können. So lernen Badmintonbegeisterte die Vielfalt unseres Sports kennen und werden zur Mitarbeit angeregt.
Ausblick
Eine Wiederholung ist für den Sommer 2027 vorgesehen. Interessierte Vereine und angehende Unparteiische wenden sich an Linus Unmüssig, Vizepräsident Schiedswesen.
Dank gilt Jakob Hinrichs und Linus Unmüssig vom Ressort Schiedswesen für die Ausbildung und Betreuung der Anwärter*innen sowie Mia Schloßer und Max Porté für die Unterstützung vor Ort.


