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Michi erstmalig in Europa auf dem U17- Treppchen

Mindestens genauso toll: Erster Einzeltitel für Kian auf europäischer Ebene

Ein Bericht des Landestrainers Berlin, Kay Witt

Nachdem es für unsere BVBB- Athleten Kian-Yu Oei (SV Berliner Brauereien) und Michelle Kanschik (BC Potsdam) bei den letzten beiden BEC- U 17 Turnieren in Schweden und Frankreich eher durchwachsen gelaufen war, kam nun „ihr Wochenende“ bei den Polish U 17 International in Pszczyna (sprich: Pschinna) vom 15.-17.3.2019.

Kian-Yu Oei zeigte sich insbesondere im mentalen Bereich stark verbessert und konnte zwei für ihn wichtige Siege im Jungeneinzel einsammeln. Im Viertelfinale gab es gegen den spanischen Spieler Fernandez eine erfolgreiche Revanche für die in Schweden erlittene Niederlage und im Endspiel gelang es ihm, seinen Finalfluch „Alles gut bis aufs Endspiel“ zu überwinden und gegen einen toughen (Helen: Hä?) Gegner nach drei Sätzen als Gewinner vom Feld gehen.

Aber schon in der ersten Runde wartete ein unangenehmer Gegner auf ihn, der im Vorfeld  Sorgenfalten bei Kian auslöste: Ein weiterer Spanier. Nun muss man wissen, dass sich a) die spanischen Spieler auf allen europäischen Turnieren rumtreiben b) alle (Mädchen wie Jungs) denken, sie wären die amtierende Einzel-Weltmeisterin Carolina Marin und c) deshalb mit allen lauteren und unlauteren Tricks agieren: Rumschreien, grundsätzlich Bälle für sich entscheiden und Spielverzögerungen provozieren, wenn‘s mal nicht so gut für sie läuft. Wie sagte Ben Caldwell (DBV- Stützpunktleiter in Hamburg) so treffend: Sie probieren in den Kopf des Gegners zu kommen….

Äußerst hart an der Grenze der Fairness! Für unsere Spieler/innen ist das sichtlich eine ernsthaftes Problem und schwierige Aufgabe – gilt es doch, diesem Kopfangriff zu widerstehen und sich nicht irre machen zu lassen…

Nun denn, Kian-Yu hat  die Situation gut gemeistert, ist bei sich selbst geblieben und konnte, als die Spiele auf des „Messers Schneide“ standen und die spanischen Mätzchen begannen, die Matches ruhig und auf sich konzentriert erfolgreich zu Ende bringen.

Im Finale dann ein ganz anderer Gegner: Sergej Lukic aus Serbien. Wir Trainer (Temuulen Ayush und ich) waren sehr von dessen Performance auf dem Feld angetan. Focussiert, professionell, fair und klar strukturiert spielte er sich in alle drei Finales. Vom Verhalten her ein absolutes Vorbild für unsere Spieler. Auch als er sich im dritten Satz gegen Kian-Yu (der Drops war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon zugunsten von Kian gelutscht) eine Oberschenkel-verletzung zuzog, spielte er das Match mit Anstand und ohne Mätzchen zu Ende. Respekt.

Im zuvor ausgetragenen Doppelfinale, das Kian-Yu und sein Partner Malik Bourakkadi (Mülheim/ NRW) problemlos erreichen konnten, behielt Lukic mit seinem serbischen Partner jedoch die Oberhand. Nach einer komfortablen 19:14 Führung im dritten Satz für Unsere kam

Lukic an den Aufschlag und produzierte sechs perfekte kurze Aufschläge hintereinander, auf die Malik und Kian nur passiv reagieren konnten – und schwupps gab es eins aufs Näschen.

Ein bisschen mehr Mut zum Schluss hätte Kian und Malik sicherlich gut getan. So hatten die beiden Serben mit 22:20 das bessere Ende für sich. Trotzdem waren wir mit der gezeigten Leistung sehr zufrieden. Insbesondere Malik präsentierte sich wieder von seiner besten Seite.

Unsere Deutsche Mixedmeisterin U 15 Michelle Kanschik (BC Potsdam) fässt international in ihrer Paradedisziplin Mixed an der Seite ihres Partners Jonathan Dresp (Hamburg) noch nicht so richtig Fuß. Das liegt einerseits daran, dass die Auslosungen es bisher nicht wirklich gut mit ihnen gemeint hatten. In allen drei Turnieren dieses Jahres sind sie knapp an topgesetzten Gegnern gescheitert, die danach dann auch jeweils mindestens bis ins Halbfinale einzogen. So auch in Polen. Gleich im zweiten Spiel ging es gegen die Nr.2 und man verlor mit 19:21 19:21 äußerst knapp. Andererseits ist Michi aktuell noch nicht in der Lage, ihre im Training erworbenen Verbesserungen im Defensivverhalten auch im Wettkampf unter Stress auf die Platte zu bringen. Hier ist noch deutlich Luft nach oben, und sollte sie die Abwehr in den Griff bekommen, kann das Mixed auch international erfolgreich mit der erweiterten europäischen Spitze mithalten. Im Doppel lief es dagegen rund. Mit Zufallspartnerin Florentine Schöffski (Niedersachsen) erreichte sie das Halbfinale und war dort nicht chancenlos. Zum Schluss ging die Leistung ein wenig nach unten, während die tschechischen Gegnerinnen weiterhin auf ihrem Niveau spielen konnten. Aber auch Michi kann mit ihrer gezeigten Leistung insbesondere im kämpferischen Bereich äußerst zufrieden sein.

 

Bemerkenswertes und Folkloristisches am Rande:

 

  • Kian spielt weiterhin gerne 3 Sätze, wobei er in mindestens einem Satz feststellt, dass er überhaupt nicht Badminton spielen kann.
  • Es kam zu überraschenden, aber auch rührenden Szenen in der Turnierhalle, als Mittrainer Temuulen (Timo) spontan mit englisch-indischen Spielerinnen Bollywood-Filme nachspielte und nachsang. Großer Sport!
  • Wäre, wäre: Fahrradkette (Nationalphilosoph Loddar Mätthäus). Könnte Kian-Yu Aufschläge (man frage ihn mal nach seiner LK-Sportprüfung; Abteilung: Aufschlagtest),

dann wäre er mit Sicherheit einer der 2-3 Top-Doppelspieler seiner Altersklasse in Europa.

  • Timo hat sich – erstmalig für den DBV/ BVBB auf einer internationalen Maßnahme dabei – in die Herzen aller Spieler/innen gecoacht. Auch die Kollegen waren beeindruckt. Außerdem kann keiner so cool auf einer Trainercoach (!) sitzen wie er

(siehe Foto anbei). Zudem ist er ein Sprachwunder: Polnisch, Mongolisch, Urdu, Englisch und Hindi kommt ihm leicht über die Lippen (..ganz im Gegensatz zu mir) und auch sein Deutsch ist mittlerweile einigermaßen verständlich. Kaltgetränke kann er in über 16 Sprachen fehlerfrei bestellen. Den Mann halten wir uns warm!

  • Michi, nicht im Einzel antreten müssend/dürfend, verbrachte ein relaxtes Wochenende. Und das, obwohl sie ein Zimmer mit Dauerkommunikatorin Florentine teilte…
  • Bester Turnierort seit langer, langer Zeit: Gute Organisation, tolle Badmintonhalle, Restaurant mit Blick auf die Courts und die Coachingsitzgelegenheiten waren ein einziger Traum.
  • Nett auch die Kinder, die mangels Schiedsrichtern oben auf den Schiedsrichterstühlen die elektronischen Zähltafeln bedienten. Ein kleines Mädchen sorgte bei zwei Spielerinnen für Verwirrung, weil sie die Einschlagzeit irrtümlich als Spielzeit identifizierte und es somit, bevor es so richtig losging, schon 6:3 für eine der beiden Spielerinnen stand.

 

Turnierergebnis unter:   http://bwf.tournamentsoftware.com/sport/draws.aspx?id=9D21ED48-68DC-4A9D-B01B-10B83A8E2DCD