
BVBB beim Six Nations in Mülheim
20. April 2026
Deutsche Meisterschaften U15–U19 2025 – Zehn Medaillen und ein besonderer Übergang
20. April 2026Hallo, ich bin Mia.
Und das hier ist mein erster offizieller Bericht – mit Unterstützung.
Ich war aufgeregt. Nicht nur wegen der Spiele – sondern wegen der Verantwortung. Als Assistenztrainerin ist man irgendwie „noch nicht ganz Chef“, aber auch definitiv nicht mehr einfach nur dabei. Spannende Zwischenwelt.
Start
A-RLT in Friedrichsdorf.
Die Anreise war… fast unspektakulär. Fast.
Zwei Spieler*innen tauchten zunächst nicht am Treffpunkt auf. Während ich innerlich kurz den Überblick verlor, blieb Jan ruhig und regelte die Situation schnell. Für mich eine erste Lektion darin, wie wichtig Gelassenheit im Traineralltag ist. Puls kurz oben, alles geklärt, Puls wieder unten. Willkommen im Trainerleben.
Zur mentalen Vorbereitung spielten wir Skyjo. Ich gewinne erstaunlich oft. Reines Talent natürlich. Oder Glück. Aber ich nehme, was ich kriegen kann.
Das Hotel war angenehm, Organisation lief rund, und irgendwo zwischen Zimmerverteilung und Einkauf wurde schnell klar: So ein Wochenende besteht nicht nur aus Spielen. Verantwortung beginnt lange vor dem ersten Ballwechsel.
Highlight des Vorabends: unser neues Maskottchen „Straw Minti B.“: Sie (oder er, das ist noch nicht abschließend geklärt) war bei fast jedem Spiel dabei und hat mehr Teamspirit erzeugt als so manche Motivationsrede. Gute Idee.
Beim Teammeeting dachte ich noch: Vielleicht komme ich heute ohne eigenen Beitrag durch. Falsch gedacht.
Also habe ich über Pünktlichkeit, gegenseitiges Anfeuern und gutes Warm-Up gesprochen. Dinge, die man als SpielerIn kennt – aber plötzlich ganz anders wahrnimmt, wenn man vorne steht und Verantwortung trägt.
Perspektivwechsel: SpielerIn vs. Coach
Der Samstag begann früh und endete spät. Sehr spät. 29 Spiele mit BVBB-Beteiligung.
Als Spieler*in kennt man lange Turniertage. Als Coach habe ich sie nochmal anders kennengelernt. Vorbesprechung. Coaching. Nachbesprechung. Essen im Blick behalten. Emotionen auffangen. Organisation klären. Gedanklich ist man dauerhaft im Einsatz.
Ich habe an diesem Tag großen Respekt vor allen Coaches entwickelt – egal ob hauptamtlich, ehrenamtlich oder irgendwo dazwischen. Man ist ständig gefragt und merkt schnell, dass Verantwortung nicht nach dem letzten Ball endet.
Besonders spannend fand ich unseren Coaching-Ansatz: Weniger schnelle Lösungen von außen – mehr eigene Lösungen der Spieler*innen.
In 60 oder 120 Sekunden Pause ist das eine echte Herausforderung. Natürlich wäre es oft einfacher, klare Anweisungen zu geben. Kurzfristig vielleicht sogar erfolgreicher. Aber langfristige Entwicklung entsteht anders. Genau dieser Balanceakt hat mich beeindruckt – und auch gefordert. Gerade in solchen Momenten war es hilfreich, einen erfahrenen Ansprechpartner an der Seite zu haben.
Mixed Feelings im Mixed
BVBB-interne Duelle sind immer speziell. Man freut sich für beide Seiten – und leidet auch ein bisschen mit. Mixed feelings im Mixed… der Witz ist übrigens nicht von mir.
U11/U13erInnen können in einer Halle übrigens aussehen wie ein Ameisenhaufen mit Badmintonschlägern – im besten Sinne. Energie pur. Besonders stolz war ich auf unseren Teamzusammenhalt. Ahaan übernahm Aufgaben, obwohl er selbst nicht mehr spielte, kümmerte sich um Klapptafeln und unterstützte das Coaching. Genau solche Momente zeigen, was ein Team ausmacht.
Im Mädchendoppel gab es Bronze. Und auch dort, wo Tränen flossen, entstanden Lernmomente. Nicht jedes Spiel endet mit einem Sieg – aber fast jedes Spiel mit einer gewonnenen neuen Erfahrung für unser Training.
Nachhaltig erschöpft
Um 21:13 Uhr verließen wir nach 29 Spielen die Halle. 29 Spiele. Ich schreibe das hier nochmal, weil ich es selbst erst später richtig verstanden habe.
Als Spielerin kann man zwischen den Spielen abschalten. Als Coach eigentlich nie. Man denkt an Taktik, an Essen, an nächste Matches, an Organisation. Und irgendwann merkt man: Die eigenen Kräfte gehen langsam zur Neige.
Die Rückfahrt zum Hotel war geprägt von Müdigkeit, Vorfreude auf Pizza und diesem Gefühl, dass so ein Tag wirklich alles abverlangt. Sobald die Pizza vor uns stand, kam kurz neue Energie auf – erstaunlich, was warmer Teig bewirken kann.
Sonntagsthemen
Der zweite Tag begann etwas später. Ein Geschenk.
Beim Frühstück machte ich mir einen Cappuccino und merkte plötzlich meine Vorbildfunktion: Mehrere 10- bis 12-jährige Mädchen überlegten ernsthaft, ob Kaffee jetzt zum Leistungssport dazugehört. Wir einigten uns kollektiv auf Kakao. War vermutlich die bessere Entscheidung.
Auch das Thema Mediennutzung sorgte für Diskussionen. Eigentlich war „keine Medien“ die Ansage. Am Ende fanden wir einen Kompromiss: Musik im Warm-Up, gezielt eingesetzt ist “ok”. Funktionierte überraschend gut und zeigte mir, dass Regeln manchmal angepasst werden müssen.
Entwicklung vor Ergebnis
Mir wurde besonders deutlich, wie unterschiedlich körperliche Entwicklungen in diesem Alter verlaufen. Größenunterschiede von teilweise 30 Zentimetern, unterschiedliche Kräfte – vieles beeinflusst das Spiel und Ergebnis. Das hat mich nochmal darin bestärkt: Frühe Ergebnisfixierung greift zu kurz. Fortschritte, Mut und Eigenständigkeit sind langfristig wichtiger als kurzfristige Siege. Viele dieser Gedanken begegnen mir auch immer wieder in unseren Coach the Coach-Einheiten und Camps – gerade dort wird deutlich, wie wichtig langfristige Entwicklung über kurzfristige Ergebnisse hinaus ist.
Natürlich haben wir uns über gute Leistungen gefreut – vor allem aber über Einsatz, Entwicklung, Reflektion und Teamgeist.
Die Siegerehrung verpassten wir aufgrund der Rückreise. Den Spieler*innen war das deutlich weniger wichtig als ich erwartet hatte. Ich war mir erst nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Am Ende dachte ich: Es ist einfach ein Zeichen dafür, dass der Weg und der Wettkampf an sich wichtiger ist als der Moment auf dem Podest.
Das Turnier war beendet, nicht jedoch meine Trainer*innenarbeit. Abrechnung, Kommunikation mit Eltern, Organisation der Rückreise und Teamfoto machte Jan – und dann die Frage: Wer schreibt den Bericht?
Nun. Offenbar ich.
Auf der Rückfahrt wurde mir endgültig klar, wie viel Arbeit hinter so einem Wochenende steckt – auch dann noch, wenn alle Spiele längst vorbei sind.
Trotz Schienenersatzverkehr, überfüllten Zügen und meinem mehrfach heruntergefallenen Handy blieb die Stimmung gut. Vielleicht ist das der eigentliche Erfolg eines solchen Wochenendes.
Mein Fazit
Ein intensives Wochenende mit acht engagierten, leidenschaftlichen Kindern, vielen kleinen Herausforderungen und einem guten Coaching-Duo. Meine erste A-RLT – und ganz sicher nicht meine letzte.
Ich habe großen Respekt vor allen Coaches gewonnen, die diese Arbeit regelmäßig machen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel Freude darin steckt, junge Spieler*innen auf ihrem Weg zu begleiten.
Demnächst startet meine TrainerInnenausbildung. Nach diesem Wochenende mit noch mehr Vorfreude.
Alle Ergebnisse auf Turnier.de
Text: Mia Schlosser, Jan-Henrik Gleis


